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Bald nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) bzw. nach dem Abzug der letzten Schwedischen Besatzungstruppen aus Mähren (1651) versuchten die Landstände (Landesverwaltung) festzustellen, wieviele Menschen in den einzelnen Ortschaften Mährens Krieg, Seuchen, Plünderungen und Hunger überlebt hatten. Das war nicht zuletzt auch für die Steuerbemessung wichtig. Die Protokolle dieser Erhebung von 1656/1657 sind nicht erhalten geblieben.

Zwölf Jahre später begann eine neuerliche Erhebung, die sich über zehn Jahre hinzog. Diese Erhebung von 1669-1679, heute als "Mährisches Lahnenregister" (MLR, manchmal auch "Mährisches Landesregister", tsch. Lánové rejstríky) bezeichnet, wurde nach einheitlichen Form-Vorgaben in deutscher Sprache erstellt und durch die Grundherrschaften, die damaligen Verwaltungseinheiten, durchgeführt.

Diese 362 Hefte, wobei jedes eine oder mehrere Grundherrschaften umfaßt, sind erhalten geblieben und listen, geordnet nach Grundherrschaften und Ortschaften, alle damaligen Grundbesitzer (Untereigentümer) auf. Innerhalb der Dörfer wird auch nach den Klassen der bäuerlichen Bevölkerung, in den Märkten und Städten nach Bürgern, Schenkenhäusern usw. unterschieden.
Enthalten sind alle Grundbesitzer ohne Einschränkungen durch die Religion (Christen und Juden) und ohne Einschränkungen durch das Geschlecht. Bei Witwen wird oft auch der Name des verstorbenen Ehemannes angeführt.

Neben den Familien- und Vornamen der Besitzer wird immer auch der Beruf angegeben und, ob der Besitzer schon seit 1656 ansässig war, oder den Hof bzw. das Haus erst später übernommen hat. Gab es seit 1656 Vorbesitzer, so werden auch diese genannt. Damit enthält das Mährische Lahnenregister praktisch gesehen beide Erhebungen, die (verlorene) von 1656/1657 und die von 1669-1679. Bei öden Besitzstellen werden die ehemaligen Besitzer genannt und das Jahr und der Grund ihres Ausscheidens (Tod, entlaufen, altersbedingt, Soldat geworden usw.).

Bei den Bauern werden immer auch die Zahl der Grundstücke sowie die Flächen, aufgeteilt auf die drei Güteklassen, angeführt.
Die Maßeinheiten sind Metzen (Mz) und Achtel (8th).
Ein Metzen entspricht 1918,3333 Quadratmetern, ein Achtel entspricht 239,7914 Quadratmetern.

Zu Mähren gehörten damals auch mehrere größere und kleinere Exklaven in Oberschlesien: Die Hotzenplotzer Enklave (Hotzenplotzer Ländchen), die von Katscher (heute in Polen), die "Halbinsel", die sich bis vor die Tore von Troppau hingezogen hat und einige kleinere bei Neutitschein bzw. Fulnek.

Nicht enthalten sind die damaligen sechs königlichen (landesfürstlichen) Städte: Brünn (tsch. Brno), Olmütz (tsch. Olomouc) , Iglau (tsch. Jihlava), Znaim (tsch. Znojmo), Ungarisch Hradisch (tsch. Uherské Hradiste) und Mährisch Neustadt (tsch. Unicov). Deren Unterthanendörfer sind enthalten.

Diese Hefte des "Mährischen Lahnenregisters" werden heute im Staatsarchiv in Brünn aufbewahrt und dieses hat sie auch vollinhaltlich ins Netz gestellt:
http://www.mza.cz/a8web/a8apps1/d1/D1-Inventar.pdf

Lediglich die Beschreibung eines Dorfes, die von Sucholasetz (tsch. Suché Lazce) östlich von Troppau, Nummer 214, ist nicht auffindbar.

Das "Mährische Lahnenregister" stellt eine einzigartige Übersicht über (fast) alle Grundbesitzer der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dar und kann vielerorts verloren gegangene Matriken (Kirchenbücher), Grundbücher, Protokollbücher usw. ersetzen. Es gibt auch einen sehr guten Überblick, welche Familiennamen in welchen Ortschaften bzw. Landstrichen vertreten waren.
Der Dreißigjährige Krieg hatte in Mähren ganz besonders schrecklich gewütet und zu einem großen Bevölkerungsrückgang geführt. Selbst im Zeitraum 1669-1679 gab es noch zahlreiche Ödungen, also verlassene und verwilderte Grundstellen, die mangels Bewerbern nicht neu vergeben worden waren. Speziell in Nordmähren gab es noch nahezu menschenleere Dörfer. Dieses Überangebot an Bauernland ermöglichte vielen Dienstboten den Aufstieg zum Häusler, Gärtler oder Bauern. Dienstboten waren daher damals in Mähren eher rar. Und das bedeutet, daß von diesen im "Mährische Lahnenregister" aufgelisteten Grundbesitzern fast alle späteren
Einwohner Mährens abstammen.

D.h. fast Jeder, der seit etwa 1656 familiäre Wurzeln im Mähren besitzt, wird hier auch Vorfahren finden. Das "Mährische Lahnenregister" ist also eine genealogische Quelle ersten Ranges, aber natürlich auch eine wichtige historische, soziologische, onomastische und verwaltungsgeschichtliche Fundgrube.

 

Eine Arbeitsgruppe dreier tschechischer Forscher in Brünn (Martin Kotačka, Josef Peterka und Ivo Sperát) hat einen Generalindex zum Mährischen Lahnenregister (MLR) (Titel: Generální rejstřík k lánové vizitaci doplněný o soupis obyvatel královských měst) erarbeitet, der nun gedruckt vorliegt.

Es handelt sich um zwei Bände Großformat (30,5 x 21,3 cm) mit 2304 Seiten und 5,8 kg Gewicht.

Die ausschließlich tschechische Beschreibung finden Sie unter: http://www.sperat.cz/nakladatelstvi/vydane-knihy/

Enthalten sind ca. 190.000 Datensätze, alle aus dem MLR, dazu alle Vorbesitzer (1656/1657) und die 6 der königlichen Städte, die im MLR fehlen - rekonstruiert aus Grundbüchern usw.
Alles ist ausschließlich in Tschechisch verfaßt, von der Einführung über das Ortsregister, die Erklärung der Abkürzungen usw.
Auch alle Ortsnamen im Register selbst, die Berufe und die Namen der Grundherrschaften sind tschechisiert.
Bei den Vor- und Familiennamen ist es so: Die deutschen Familiennamen sind meist deutsch belassen, die tschechischen auf das heutige Tschechisch umgewandelt, was oft ein großer Unterschied ist. Bei den deutschen Frauen ist überall auch die Endung - ova angehängt.

Hier sehen Sie ein Beispiel, wie dieser Generalindex des Mährischen Lahnenregisters aufgebaut ist und welche Angaben enthalten sind.

 

Mähren hat speziell für den Osten Österreichs eine sehr große Bedeutung. Jeder zweite Einwohner hier hat auch mährische Vorfahren.

 

SERVICE für die Forscher in Wien und Umgebung:
(im Februar 2016 ausgelaufen, bitte nichtmehr bestellen)

Wir wollen es den Forschern ermöglichen, diese Bände zu erwerben.

Deren Preis ist mit 2.980 Tschechische Kronen = etwa 110 Euro nicht gering.
Dazu kommen noch nennenswerte Portokosten (ab ca. 20 Euro - abhängig wohin) sowie Kosten für die sichere Verpackung.
Deshalb haben wir mit dem Herausgeber vereinbart, daß er diese Bände einmalig kostenlos in unsere Bibliothek in Wien-Hernals liefern wird. D.h. die Forscher aus Wien und Umgebung können sie sich dort kostenlos abholen und ersparen sich damit die Kosten für Porto und Verpackung.

D.h. Sie können diese Bände ab sofort bei uns Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellen, Betreff: Generalindex MLR und, nach Lieferung, nach Terminvereinbarung dann in unserer Vereinsbibliothek abholen:

Konditionen:

- Preis: 110 Euro (im voraus zu bezahlen)

- Selbstabholung bei Familia Austria in Wien-Hernals, Ortliebgasse 3a (nach Terminvereinbarung)

 

Wer von diesem Service Gebrauch machen will, möge

- bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben.

- Betreff: Generalindex MLR

und erfährt alles Nähere

 

Mit freundlichen Grüßen
Günter Ofner