Choose a language ...
Change font size

Article Index

Pfarrmatriken

Zuerst sollte man sich Klarheit über die Religionszugehörigkeit der Vorfahren verschaffen (katholisch, evangelisch AB bzw. HB, jüdisch, altkatholisch, hussitisch usw.) Denn die staatlichen Standesaufzeichnungen reichen meistens nicht weit zurück (Österreich erst ab 1938, Tschechien und Slowakei ab 1939) und deshalb sind die Kirchenbücher von enormer Bedeutung. Ich versuche als ersten Schritt über die Hochzeitsbücher möglichst weit zurück zu kommen. Denn bei den Hochzeitseintragungen erfährt man in der Regel am meisten (Elternnamen, Herkunftsorte, Berufe usw.). Wenn Sie von Ihrem Spitzenahn die Elternnamen nicht wissen, dann schlagen Sie zuerst dessen Geburt nach. Dort werden Sie die Elternnamen finden. Und dann suchen Sie die Elternhochzeit, dann die beiden Hochzeiten der Großeltern usw. Diese Methode hat den Vorteil, daß man vorerst nur die Trauungsbücher braucht und relativ schnell vorwärts kommt. So entsteht ein ‚Gerüst' der Ahnen, das man dann mittels Taufbüchern, Sterbebüchern, Grundbüchern usw. ergänzen kann.

Findet sich eine Hochzeit nicht, und das kommt oft vor, dann wurde wohl auswärts geheiratet. Dann die Geburtseintragung des Mannes suchen (den Geburtsnamen der Frau kennt man ja in der Regel nicht) und über die Elternnamen weitermachen. So kann man oft die väterliche Linie weiterverfolgen. Hilft das alles nichts, dann lohnt es sich meist in den umliegenden Pfarren nachzusehen. Finde sich weder die Hochzeit der Eltern, noch die Geburten der Brautleute, dann suche ich Taufen von Geschwistern. So kann man z.B. feststellen, seit wann die Familie in der Pfarre ansässig war und manchmal steht bei der ersten Taufe einer Familie dabei, woher die Eltern zugezogen sind. Und ich suche die Sterbeeintragungen, weil man dort aus der Altersangabe (ACHTUNG: oft falsch) zumindest auf das ungefähre Geburtsjahr schließen kann.

Ich schreibe Einträge auch immer komplett ab, d.h. auch die Namen und Wohnorte der Trauzeugen, Taufpaten und Hebammen; alle Altersangaben; die Todesursachen; die Hausnummern usw. Denn bei der späteren Verarbeitung (z.B. EDV) können plötzlich Details, die beim Finden völlig unwichtig erschienen sind, große Bedeutung bekommen. So sind z.B. die, ab etwa 1770 in den habsburgischen Ländern eingeführten, Hausnummern (ACHTUNG: in vielen Orten mehrfach geändert) eine wichtige und oft die einzige Methode um bei häufig vorkommenden Namen die richtige Familie zu identifizieren. Meistens, so das erlaubt ist, fotografiere ich die Eintragungen auch. Oft braucht man die Fotos dann später, z.B. zur Enträtselung von phantasievollen oder hingeschmierten Eintragungen. Digitalisierte Fotos kann man auch ganz leicht anderen Forschern zur Verfügung stellen oder zwecks Entschlüsselung unlesbarer Worte durch's Netz jagen. Ich vermerke auch immer, wo ich diese Eintragung gefunden haben: Pfarre, Buch, Seite und natürlich das Datum der Eintragung. Denn, so eine Datensammlung auf Papier wächst schnell.

Und natürlich sollte man gleich zu Anfang nachsehen, ob die Bücher/Filme Namensindizes besitzen. Oft gibt es die auch als Extrahefte/Bücher. Denn dann geht alles viel schneller. Wenn in den Büchern kein Index zu finden ist, dann das Archivpersonal danach fragen. Achtung: Namens-Indices des 17. u. 18. Jht. könnten nach Vornamen geordnet sein und oft sind sie auch unvollständig. Überhaupt sollte man sich, bevor man zu suchen beginnt, den Aufbau jedes Buches ansehen. In den habsburgischen Ländern gab es beispielsweise ab 1784 die Vorschrift, Tauf-, Trauungs- und Sterbematriken in getrennten Büchern zu führen und zusätzlich auch noch geordnet nach Ortschaften. Weiß man also die Ortschaft, dann ist das ein großer Vorteil. Die Schreibweise der Namen (Personen- und Orts-) variiert oft stark. Findet man also einen Eintrag nicht, dann sollte man ähnliche Namen durchsehen, z.B. Reichel, Reichelt, Reicheldt, Reichldt usw. Die beste Methode dafür ist es für mich sich den Namen in der jeweiligen Mundart vorzustellen, dann überwindet man auch große Schreibvarianten. Ein Beispiel aus Niederösterreich: Glöckl, Glöckel, Kleckl, Khleckhl usw - alles EIN Name! Im Böhmerwald habe ich auch Familiennamen deutsch - tschechisch übersetzt gefunden. Also einmal: Schaufelmacher, Schaufler, dann wieder Lopartar. Die Buchstaben B/P; C/G/K; D/T; F/V; I/J/Y; V/W wurden oft beliebig ausgewechselt. Lassen Sie Ihrer Kreativität also freien Lauf. Ahnensuche ist immer auch eine Art von Detektivarbeit und das macht, meiner Meinung nach, auch einen wesentlichen Teil ihres Reizes aus.

Und am Abend schreibe ich mir meine Funde in Stammbaumform für den nächsten Tag zusammen. Denn man kann bei mehrtägigen Forschungen leicht in der Flut der Ahnendaten ‚ertrinken' und dann vergessen Wesentliches nachzuschlagen.

Überprüfen Sie das Gefundene auch auf Plausibilität. Ich fand z.B. ein Geburtsdatum einer Ahnin, das bei der Auswertung ergab, daß sie mit 54 Jahren Mutter geworden sein müßte. Das ist natürlich fast unmöglich. Des Rätsels Lösung war dann, daß der Mann dieser Ahnin (mein Ahn) zweimal verheiratet war und beide Frauen hießen Catharina. D.h. ich hatte die erste Hochzeit gefunden, meine Ahnin war aber die zweite Frau. Also immer aufpassen.

Mitteleuropäische Pfarrmatriken, Grundbüchern usw. sind in vielen verschiedenen Sprachen verfaßt worden: Deutsch, Latein, Tschechisch, Italienisch, Französisch, Ungarisch, Slowakisch, Polnisch, Niederländisch usw. Das ergibt beispielsweise bei Vornamen und Ortsnamen große Variantenbreiten. Trotzdem ist beispielsweise Franz, Franciscus, Frantischek, Francesco, Francois, Ferenc usw., immer derselbe Name und kann für dieselbe Person verwendet worden sein. Aber selbst im Deutschen gibt es eine große Breite an Variationen. Denken Sie an Georg = Jörg. Gregor/Gregorius ist dagegen ein eigenständiger Vorname. Die verpflichtende Führung von Kirchenbüchern (= Matriken) wurde im katholischen Teil Europas durch das Konzil zu Trient (1545-1563) im Jahr 1563 beschlossen, die Führung von Sterberegistern erst 1614. Trotzdem sind erhaltene Pfarrmatriken vor 1600 eher selten. Mancherorts wurde die Einführung lange verzögert. Aber auch Verluste durch Kriege, Brände, Naturkatastrophen und Schlamperei sind leider beträchtlich. Manchmal kann man sich dann durch bei den Diözesen geführte Duplikate (Einführungszeitpunkt sehr unterschiedlich) behelfen - so die schon existiert haben, selbst erhalten geblieben sind und auch eingesehen werden dürfen.

Eine Übersicht über alle schon digital im Netz verfügbaren Matrikenbestände mit vielen Hinweisen dazu findet sich hier:

Matriken im Netz

Eine Übersicht über schon digital im Netz verfügbare Matrikenverzeichnisse mit vielen Hinweisen dazu findet sich hier:

Matrikenverzeichnisse